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5.2.2 Unternehmerortsprinzip (Erbringerortsprinzip)

Am Ort der Erbringung werden nach Art.°8°Abs.°2°Bst.°a°MWSTG Dienstleistungen erfasst, die typischerweise unmittelbar gegenüber physisch anwesenden natürlichen Personen erbracht werden (namentlich Heilbehandlungen, Therapien, Pflegeleistungen, Körperpflege, Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Sozialleistungen und Sozialhilfeleistungen sowie Kinder- und Jugendbetreuung). Auszugehen ist von der Feststellung, dass bestimmte Dienstleistungen (z.B. Haare schneiden, Pflegeleistungen) ausschliesslich in Anwesenheit von natürlichen Personen erbracht werden können, welche die Dienstleistung entgegennehmen.

 

Beispiel 10:

Die Friseurin Inge Schnell aus Waldshut (DE) frisiert regelmässig an der Oper in Zürich die Darsteller (mehr oder minder erfolgreich). Sie stellt der Oper in Zürich ihre Dienstleistungen in Höhe von CHF 5‘000 in Rechnung. Die Frisörleistung wird an dem Ort erbracht, an dem die Dienst leistende Person den Sitz ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit oder ihre Betriebsstätte hat, vorliegend in Waldshut (DE). Die Friseurin wird in der Schweiz nicht mehrwertsteuerpflichtig. Die Leistungen unterliegen dem deutschen UStG (soweit anwendbar).

 

Dienstleistungen von Reisebüros und Organisatoren von Veranstaltungen werden ebenfalls am Erbringerort versteuert (Art.° 8 Abs.°2°Bst. B°MWSTG). Diese Regelung entsprach bis zum 31. Dezember 2009 dem geltenden Recht der MwStSystRL (Art.°43°MwStSystRL a.F.). Mit der Änderung des Ortes der Besteuerung von Dienstleistungen zum 1. Januar 2010 in der EU unterstehen diese Dienstleistungen - anders als nach dem MWSTG der Schweiz - gegenüber Steuerpflichtigen dem Empfängerortsprinzip.

 

Leistungen Dritter, die von Reisebüros und Organisatoren von Veranstaltungen für ihre eigenen Dienstleistungen in Anspruch genommen und von diesen im Ausland bewirkt werden, unterliegen nicht der Inlandsteuer, sondern können steuerbefreit in Rechnung gestellt werden (Art.°23 Abs.°2°Ziff. 10°MWSTG). Neben der bisherigen gesetzlichen Regelung wird die Praxis der Eidg. Steuerverwaltung, wonach die Reisebüroregelung bereits beim Organisator von Veranstaltungen angewendet wurde, fortgeführt und gesetzlich geregelt.

 

Sonderregelungen für Reisebüros, wie sie in Art.°306°ff°MwStSystRL vorgesehen sind, finden sich im MWSTG nicht. Insbesondere findet sich auch keine dem Art.°308°MwStSystRL vergleichbare Regelung, der die Möglichkeit einer Margenbesteuerung der Leistungen eines  Reisebüros einräumt. 

 

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